München
Oktober, 2026The future is stupid
Die Bayern
Ehrlich gesagt war ich nie ein großer Fan von Bayern – und München fand ich auch nicht besonders reizvoll. Ich hatte viele Vorurteile: Die Leute seien stur, etwas engstirnig und arrogant. Schnösel eben. Sehr stolz auf ihre BMWs, Dirndl, Lederhosen und das Oktoberfest. Trinkfreudig und eher konservativ, manchmal von oben herab. Und die Stadt? Gschleckert und erzkatholisch. Alles aufpoliert und vergoldet, mit Pelz und Rüschen.
Aber eine Freundin wohnt dort. Und ein Sofa. Ein Sofa, das mein Freund unbedingt haben wollte – und das er in München abholen wollte. Er ist grosser Bier und Münchenfan. Dazu überredete er mich zu einem Wochenendtrip. Oder, sagen wir: Er überzeugte mich. Der Besuch bei unserer Freundin war natürlich ein zusätzlicher Anreiz. Also kam ich mit.
Berlin wäre mir lieber gewesen, aber für ein Wochenende mit dem Auto war es einfach zu weit. Also ging’s los. Die Autobahn ab Basel war am Freitagabend gut gefüllt, aber machbar. Rund um Zürich staute es sich – damit hatten wir gerechnet, und es ließ sich aushalten.
Bei Bregenz lotste uns das Navi irgendwie in die Walachei: auf eine viel zu enge Landstraße für viel zu große Autos. Aber wir schlängelten uns durch. Und dann kamen wir an. München ist riesig! Dank Navi fanden wir durch den Stadtdschungel. Gut, waren wir zu zweit – allein hätte ich das nicht geblickt.
Unser Hotel Gambino sollte zentral liegen. Zentral ist allerdings relativ. Zentral am Waldrand, neben einem Supermarkt und einem Parkplatz. Ansonsten: in Südgiesing, zentral an der S-Bahn-Linie 3. Aber irgendwie war es trotzdem hübsch und funktional. Das Gambino Hotel hatte kleine, stylische Zimmer und eine nette Lobby. Man muss sich im Doppelzimmer schon gernhaben: Es gibt ein riesiges Bett, und der Rest ist klein, aber passend eingerichtet. Die Dusche ist offen – für ein erstes Date könnte das prickelnd werden, denn man sieht den oder die Angebetete*n in voller Pracht unter dem kühlen Nass. Davor: ein riesiger Spiegel. Das Licht: gut gewählt. Und direkt über dem Bett: ein großer Fernseher.
Eigentlich wollten wir auf dem Campingplatz übernachten. Bei einer Wettervorhersage von einem Grad in der Nacht konnte ich meinen Freund aber vom kuscheligen Bett überzeugen. Gott sei Dank! Am Samstag war das Wetter noch ganz in Ordnung. Kühl und windig zwar, aber der heftige Schauerregen kam erst am Sonntag.
Und ich revidiere mein Urteil: München hat schöne Ecken. Wenn man außerhalb des Oktoberfest- und Weihnachtsmarktgetümmels kommt, kann man tatsächlich durch die Stadt spazieren. Voll ist es zwar trotzdem, aber irgendwo findet sich immer ein Plätzchen.
Glockenspiel am Marienplatz
Zum Beispiel am Marienplatz, wenn um elf Uhr die Figuren zum Glockenspiel tanzen. Oder in dem coolen Outdoorladen Sporthaus Schuster mit seiner riesigen Auswahl an Ausrüstung.
Sogar im Pschorr – DEM Wirtshaus und der Bierhalle – bekamen wir noch einen Platz. Dort speisten wir ganz klassisch bayrisch: einen Russ, Knödel, Ziege, Sauerbraten und Krapfen. Anschließend schlenderten wir über den Viktualienmarkt. Die tapferen Münchner saßen tatsächlich bei drei Grad, dick eingemummelt, draußen und tranken Bier. Das muss man ihnen lassen: Sie sind gestylt und hart im Nehmen.
Freunde treffen.
Die Zeit vergeht wie im Flug. Fast eineinhalb Jahre hatten wir uns nicht gesehen. Meine Freundin war damals für ihren Master nach München gezogen – als Auslandsschweizerin. Sie ist geblieben und inzwischen mit ihrer Familie dort sesshaft geworden.
Freunde zu besuchen, ist für mich eines der schönsten Dinge am Reisen: zusammen käffele und sich übers Leben austauschen. Zu erfahren, wie es der anderen geht – und einen kleinen Blick hinter die Kulissen der Stadt zu bekommen.
Zum Beispiel im Café Tagträumer im Dreilindenviertel: herzig, gemütlich und ganz unaufgeregt. Bei leckerem Kaffee, Pichelsteiner Eintopf und großen, saftigen Kuchenstücken. Sogar zwei!
Oder auf dem Südfriedhof, der erstaunlich belebt ist. Er wuchert wild vor sich hin und wirkt mit all dem Grün und den schönen Skulpturen überhaupt nicht unheimlich. Anschließend ging’s hinüber zur Isar. Ein riesiger Regenbogen spannte sich über den Himmel – den Goldtopf konnte man beinahe sehen. Eine Brezn vom Zöttl durfte natürlich auch nicht fehlen. Dafür standen wir fast zwanzig Minuten in der Kälte an. Aber die warme Brezn machte das Warten wett.
Das Glockenbachviertel ist auch sehr nett.
Die Reichenbachstraße ist toll zum Lädele und Schnöike. Auch das Werksviertel haben wir uns angeschaut und im Café Deli lecker gebruncht. Bei strömendem Regen fuhren wir mit dem Bus Nr. 100 durch die Stadt. Kurz schauten wir auch im Haus der Kunst vorbei, aber mir war es dort zu voll und die Zeit zu knapp.
Ein tolles Museum ist das MUCA – Museum of Urban- und Streetart. Momentan läuft hier die Ausstellung vom britischen Künstler Antony Micallef – The future is stupid. Es ist eine sehr interessante Kunstausstellung die sich mit den Themen Krieg, Verantwortung und moderne Gesellschaft auseinander setzt und sehr kritisch hinterfragt.
Dafür gefiel mir das viele Grün in München. Es gibt zahlreiche Parks, und auch der Eisbach war interessant – diesmal allerdings menschenleer. Zu kalt, dachte ich. Doch tatsächlich wagte ein hartgesottener Münchner den Sprung ins kühle Nass. Die sind wirklich hart im Nehmen. Und sympathisch.
Ich revidiere mein Urteil: München ist einen Besuch wert. Es gibt viel zu entdecken und auch viele schöne, kreative Ecken.
Unsere Tipps
Unterkunft
- Gambino Hotel Cincinnati
- An der S3
- Doppelzimmer: ca. 70 Euro pro Nacht
Essen und Trinken
- Café Tagträumer, Quartier Dreilinden, Kaffee ca. 5 Euro, Mittagseintopf ca. 8 Eur
- Deli Green Goods, Kaffee ca. 5 Eur, Brunch zwischen 10-15 Eur
- Pschorr, Bierhalle, Bier ca. 5 Eur, Essen zwischen 20-30 Eur pro Person
- Bäckerei Zöttl: Brezn
- Rischard – Bäckerei am Bahnhof – Brezeln süss und salzig – ca. 2-5 Eur
Einkaufen
- HIT, Supermarkt
- Sporthaus Schuster
- Omas Köstlichkeiten
Ausflüge und Museen
- MUCA – Museum of Urban and Contemporary Art: 5 Euro pro Person
Künstler*innen: Banksy, Keith Haring, Spoon - Werksviertel: Zwischennutzung mit Cafés, Restaurants, Co-Working-Spaces und Riesenrad
- Bus Nr. 100 – bei Regen super Sightseeing durch die Museumsviertel der Stadt
- Glockenspiel am Marienplatz Rathaus – jeweils um elf und zwölf Uhr
Transport
- Tagesticket Zone M: 10 Euro
- Sight Seeing 90%
- Food 70%
- Transportation 50%
- Activities 80%
Best Food & Drink
1. Come na Gavetta, Ilha Tavira
Flambierte Gambas oder Chicken Teriyaki Bowl, die moderne Küche bietet für jeden Geschmack etwas
2. Cafe Mabi, Vila Nova Milfontes
Sehr schönes Cafe in der Nähe des Zentrums
3. Sunset Bar A Prateleira, Burgau
Bier, Croquettas, gute Stimmung und wenn man Glück hat Delphine im Meer 😉
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